Die Orgel in Possendorf

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Im Jahr 1878 wurde der Neubau der Orgel in der Possendorfer Kirche vom damaligen Kantor Theodor Anton David Schreyer dem Kirchenvorstand ans Herz gelegt, da sich das Instrument in einem bedauerlichen Zustand befand. Noch in gleichem Jahr setzte die Korrespondenz mit drei Orgelbaumeistern ein. Der Kirchenvorstand wandte sich an Karl Traugott Stöckel aus Dippoldiswalde, Richard Kreutzbach aus Borna bei Leipzig und Hermann Eule aus Bautzen. Im August 1879 wurde schließlich der Bauauftrag an Karl Traugott Stöckel übergeben. Als Fertigstellungstermin war das Michaelisfest 1881 vertraglich vereinbart worden. Das konzipierte Instrument sollte über 23 Register verfügen. Die Fertigstellung seines Werkes war Stöckel nicht vergönnt, da er am 17. April 1881 verstarb. Nach langen Auseinandersetzungen mit den Erben Stöckels wurde schließlich 1881 ein weiterer Vertrag mit dem sächsischen Hoforgelbauer Carl Eduard Jehmlich über die Fertigstellung der Orgel abgeschlossen. Am 6. Sonntag nach Trinitatis 1882 wurde die Orgel feierlich von Superintendet Opitz aus Dippoldiswalde eingeweiht.

1907 wurden zwei weitere Register, von ursprünglich vier geplanten Registern, von Hoforgelbauer Jehmlich eingebaut. 1917 wurden die Zinnpfeifen im Orgelprospekt für die Kriegsrüstung abgegeben und 1921 durch Zinkpfeifen ersetzt. Ebenfalls in den 1920er Jahren wurde eine Orgelstiftung von Bücherrevisor Hermann Pretzsch aus Rippien ins Leben gerufen, um Kapital für einen Orgelneubau zu sammeln. Allerdings wurden diese Finanzmittel für Reparaturen verbraucht und der verbliebene Rest durch die Inflation wertlos gemacht. 1972 ist die Orgel vom VEB Orgelbau Jehmlich umdisponiert worden und hat 2014 eine intensive Generalüberholung durch den Orgelbauer Wünning erfahren.

Drei Kernanliegen hat die Orgelrenovierung verfolgt: Zum einen musste die Orgel intensiv gereinigt werden. Der Dreck und Staub seit 1972 wurde entfernt und ein in den 80er Jahren häufig verwendetes Holzschutzmittel musste abgewaschen werden. Zweitens wurde die Spielgängigkeit insbesondere auf dem zweiten Manual für das Hintwerk wieder hergestellt. Über die Jahre hatte die Traktur an Beweglichkeit eingebüßt. Drittens wurde die Intonation von Grund auf überarbeitet. Dabei wurde vor allem auf die Wiederherstellung des historischen Klanges wert gelegt, was durch Rückbau von einigen Modifikationen der Pfeiffen aus vorherigen Renovierung fast gänzlich wieder hergestellt werden konnte.


Disposition

Hauptwerk
Bordun 16′
Prinzipal 8′
Gambe 8′
Rohrflöte 8′
Oktave 4′
Gemshorn 4′
Quinte 2 2/3′
Oktave 2′
Terz 1 3/5′
Mixtur 3-4fach
Hinterwerk
Gedackt 8′
Fugara 8′
Quintatön 8′
Schwebung 4′
Prinzipal 4′
Rohrflöte 4′
Nasat 2 2/3′
Oktave 2′
Schwiegel 1′
Mixtur 3fach
Pedal
Subbaß 16′
Prinzipalbass 8′
Gedacktbass 8′
Mixtur 3fach
Posaunenbaß 16′
Spielhilfen
Manualkoppel II-I
Pedalkoppel I
Pedalkoppel II