Was wird aus der Friedhofsgärtnerei?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
oberhalb des Kreischaer Friedhofs erstreckt sich Richtung Wilisch eine Fläche, die sich in den letzten Wochen und Monaten sehr verändert hat und auch noch weiter verändern soll. Früher war das einmal die Friedhofsgärtnerei. Hier zog der Friedhofsmeister Pflanzen heran, die auf dem Friedhof zum Einsatz kommen sollten. Auch Nadelbäume, deren Reisig im Winter die Gräber abdecken sollte, standen hier reichlich.
Die Zeiten haben sich geändert: Blumen und Pflanzen für die Gräber gibt es inzwischen nicht nur in Fachgeschäften und Gärtnereien reichlich, sondern auch in Supermärkten und Baumärkten; das Abdecken der Gräber ist weitgehend außer Gebrauch gekommen. Zudem versieht Familie Franke nicht mehr das Amt des Friedhofsmeisters. Demzufolge verlor die Friedhofsgärtnerei zunehmend ihre Bedeutung: Beete gab es kaum noch, die Bäume standen halt, teilweise wurden Sie als Christbäume verkauft, Material wurde abgelagert.
Im vergangenen Jahr wurde nun damit begonnen, die Fläche zu beräumen, und die Frage stand, wie das Gelände künftig genutzt werden soll. Unter den verschiedenen Ideen, die damals kursierten, hatte es vor allem eine der Kirchgemeindevertretung angetan: dort könnte eine Streuobstwiese angelegt werden. Und dieser Plan soll nun auch tatsächlich realisiert werden.
Als fachliche Berater stehen uns dafür dankenswerterweise mit Max Röber und Lothar Richter-Kästner zwei kompetente Partner zur Verfügung. Es gibt einen Pflanzplan, der verschiedene Baumarten und Sorten berücksichtigt.
Die Sortenauswahl beruht auf Empfehlungen für Streuobstwiesen der Landesgruppe Sachsen des Pomologenvereins e.V. und berücksichtigt spezifisch regionale Sorten („Seifersdorfer Runde“, „Sächsischer Königsapfel“ oder „Safranapfel“), aber auch überregionale Besonderheiten „Bouche Rouche“, nimmt aber auch Sorten mit höherem Bekanntheitsgrad „Schöner aus Boskoop“ mit auf. Der Obstgarten ist als eine Art kulinarische Bibliothek und Gendatenbank gedacht und konzipiert.
Es handelt sich um bewährte historische Sorten, die ohne Pflanzenschutzmittel wachsen und tragen können und für den Hochstammanbau geeignet sind. Die Ausgewogenheit aus pflegeintensiveren Obstarten (Apfel und Pflaume) und pflegeleichteren Obstarten (Walnuss und Kirsche) wurde zusätzlich beachtet.
Die Möglichkeit der Ernte ist von Anfang/ Mitte Mai bis Ende Oktober durch verschiedene Stein- und Kernobstarten (weniger Obstschwämme) gestreckt, wobei zur Haupterntezeit Mitte September bis Mitte Oktober mehr Obst anfällt. Durch die Lagermöglichkeit einzelner Apfel- und Walnusssorten lässt sich der kulinarische Jahreskreis bis ins Frühjahr hin verlängern. Auf Birnen wurde aufgrund der nahen Kleingärten (Wacholdergewächse – Birnengitterrost) verzichtet.
Die kleineren Obstarten sind im Süden und die höheren im Norden der Streuobstwiese gedacht (Beschattungsverhältnis). Im Norden stehen die großwüchsigen Walnusssorten.
Für das Vorhaben wurde ein Förderantrag beim Umweltamt Sachsen gestellt. In Übereinstimmung mit dessen Richtlinien kommen hochstämmige Bäume zum Einsatz.
Nun pflanzt und pflegt sich das alles ja nicht von allein. Und es gehört definitiv weder zu den Aufgaben einer Gemeindepädagogin oder Kirchenmusikerin, eines Pfarrers oder auch des Kirchenvorstands, Streuobstwiesen anzulegen und zu unterhalten.
Nun kann man sagen: wer die Musik bestellt, der bezahlt sie auch. Es kann aber auch anders gehen. Denn bei diesem Vorhaben geht es ja nicht einfach um eine wilde Idee eines unterbeschäftigten Gremiums. Eine solche Streuobstwiese ist ökologisch bedeutsam und setzt zudem eine in unserer Region beheimatete Tradition fort. Als solche (und irgendwann auch einmal als Obstlieferant) soll sie der Allgemeinheit dienen.
Bestimmte Aufgaben werden natürlich professionell erledigt werden müssen. An anderer Stelle hoffen wir aber, dass sich ehrenamtliche Helfer finden, die mit anpacken und dieses Stück Heimat gestalten wollen. Das gilt besonders für die Anlage der Streuobstwiese.
Und so ist ein erster Termin für Samstag, den 8. Oktober, 9 – 13 Uhr geplant.
An diesem Tag soll die alte Einfriedung beseitigt und eine neue aus Holzstangen aufgebaut werden. Wenn es die Kräfte hergeben, sollen auch schon Pflanzlöcher vorbereitet werden. Die ersten Bäume sollen dann im November gepflanzt werden. Auch dazu werden Helfer benötigt.
Wir als Kirchgemeinde hoffen daher für diese Termine, dass sich genügend Mitarbeiter finden, dass wir dieses Vorhaben realisieren können. Zur besseren Koordination wäre eine vorherige Anmeldung im Pfarramt (035206/21345) hilfreich.
Der Satz „Wir schaffen das“ ist leider etwas in Misskredit geraten. Aber vielleicht ist er hier doch angemessen.

Ihr Pfarrer Dr. Martin Beyer