Aktuelle Betrachtungen

Wort an die Gemeinde

Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Mitglieder unserer Kirchgemeinde Klingenberg-Kreischa,

erst kürzlich habe ich die Nachricht vom Ableben einer Wegbegleiterin erhalten, mit der ich gemeinsam in Leipzig den Krankenhausseelsorgekurs absolviert hatte. Mit 65 Jahren plötzlich gestorben. Ich war und bin bestürzt. Sofort griff ich zum Stift und schrieb ihrer Familie. Erinnerungen kamen und Bilder von Vergangenem zogen an mir vorüber. Es ist schon eine Weile her, dass wir uns sahen, die Zeit in Leipzig war sehr persönlich und intensiv, so dass wir den Faden bei jeder Begegnung sofort wieder aufnehmen konnten. Ihre Verbundenheit mit der Natur, die Art zuzuhören, Antworten zu geben, im Leben zu stehen, Zuversicht auszuströmen – all das kam mir in den Sinn und machte mich traurig. Und so fing ich an, nach Bildern zu schauen, nach Texten zu suchen, nach von ihr geschriebenen zu greifen und tauchte ein in Erinnerungsstunden…

Trauer gehört zu unserem Dasein. Diese hat mich, wenn die akute Trauer über einen Todesfall abgeklungen ist, zwar nicht fest im Griff, aber sie ist da.

Wir sind angekommen am Ende des Kirchenjahres und feiern bald den Ewigkeitssonntag. Die Friedhöfe werden besucht und Gräber hergerichtet – Erinnerungen werden wach und brauchen Raum. Auch nach Jahren dürfen Tränen noch fließen. Entscheidend bleibt, dass ich weiß, ich darf meine Tage in Zeit und Raum genießen und leben. Ich weiß aber auch, dass Trauer kräftezehrend ist, denn man ist damit allein. Jene, die Trauer nicht kennen und nicht zu lassen, können nicht ahnen, welche seltsamen und widerstrebenden Gefühle sie verursacht, denn Niedergeschlagenheit verbindet sich mit Lebenslust, Wut über die Abgründe unserer Existenz verbindet sich mit Angst, denn die Frage stellt sich: „Wie soll es weitergehen?“ Die Botschaft für uns alle sollte lauten – wehre dich nicht gegen die Trauer – sie fordert und braucht ihre Zeit. Man kann sie zum Anlass nehmen, das eigene Leben zu bedenken, dankbar zu sein für alles, was war und was ist, und auch mutig zu werden, um zu verändern, was falsch läuft.

Im Seelsorgekurs habe ich mich viel mit Tod und Trauer beschäftigt. Und ich kann heute von mir sagen, ich habe mich an der Trauer abgearbeitet, habe die verschiedenen Gesichter der Trauer kennengelernt, bei mir selbst und auch bei anderen. Trauer ist individuell. Und so lernte ich, Trauer braucht Zeit, und die Trauer um ein totes Kind hört nie auf, aber sie verändert sich, wie sie auch die Trauernden verändert.

Es ist gut zu wissen, meine Trauer gilt mir selber, nicht den Verstorbenen. Um sie müssen wir uns keine Sorgen machen. Wenn es wirklich so sein kann, dass uns nach der Dunkelheit nicht irgendetwas erwartet, sondern jemand uns erwartet, dann gibt es kein Zweifeln.  Denn dann geht’s den Toten besser als vorher und sicher besser als uns Lebenden.

Die Bibel hat dazu tröstende Worte, und vielleicht tun Ihnen die Worte aus der Offenbarung 21,4 gut: „… und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ In den Worten klingt Hoffnung mit.

Vielleicht haben wir eigene Erfahrungen gesammelt, die uns Gewissheit geben, dass da noch etwas sein wird, weil wir hier auf Erden Trost in unserer Trauer gefunden haben, weil wir ermutigt wurden, neue Schritte ins Leben zu gehen. Weil andere meine Ängste nicht klein geredet haben, sondern Anteil nahmen. Diese Erfahrungen sind ein erster Blick auf das Neue, von dem der obige Offenbarungstext erzählt.  

Trauer bleibt ein Weg ohne Endstation und sie bleibt als eine Gefährtin bestehen. Jedoch verändert sie sich, denn jeden Tag muss man neu lernen, sie zu akzeptieren. Sie braucht ihre Aufmerksamkeit, und sie gönnt jedem dennoch das Glück am Leben teilzuhaben, denn wir dürfen nicht vergessen, wir sind Sterbliche auf Erden.

Ihre Gemeindepädagogin Kerstin Wrana

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Liebe Gemeindeglieder und Interessierte,

in unserer Umgebung gibt es noch weitere Sühnekreuze, Betsäulen oder Bildstöcke.

In Bärenklause bei Kreischa z.B. erinnert ein Steinkreuz an die verzweifelte Tat einer Mutter namens Rosina Heschel, die ihr Kind getötet hatte und dafür enthauptet (Decollata) wurde. Was wir heute als spannende Kriminalgeschichte lesen, war vielleicht eine ausweglose Situation im Leben einer Frau, die nicht wusste, wie sie ihr Kind großziehen kann. Warum passieren Dinge, die wir eigentlich nicht wollen? Was macht es mit uns, wenn wir nicht genug Geld haben? Oder andere uns mobben, ignorieren, über uns reden? Halte inne – lass deine Traurigkeit, deine Scham, deine Verbitterung und Enttäuschung über das, was dir durch andere geschieht, an diesem Ort!

Unweit davon entdecken wir an einer Mauer in Babisnau ein Relief aus dem 13. Jahrhundert.

In Quohren halte ich inne. Wieder eine Betsäule. Wiedererichtet im Jahre 2007.

Wer gern mehr erfahren möchte, findet hier weitere Informationen: www.suehnekreuze.de;

wikipedia – Liste der Bildstöcke und Wegkreuze im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge;
Matthias Schildbach, Die Enthauptete – ein Sächsischer Kriminalfall (2019);
Ulrich Eichler, „Marter und Bildstock-Betsäulen in Sachsen“;

In unserer Mitarbeiterrunde ist die Idee entstanden, Pilger- und Wanderwege zusammen zu stellen mit entsprechenden Wegbeschreibungen und Informationen, aber auch mit Impulsen zur Meditation und zum Weiterdenken. Jana Köbsch und ich würden daraus gern ein Projekt machen in Zusammenarbeit mit den Tourismusbehörden, Heimatvereinen u.a. Wer ist mit dabei? Wir würden das Projekt gern mit anderen auf den Weg bringen. Bitte meldet euch, melden Sie sich bei annette.kalettka@evlks.de oder Jana Köbsch, Tel. 0151-23080459.

Pfarrerin Kalettka

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