Aktuelle Betrachtungen

Wort an die Gemeinde

Liebe Leser, Liebe Leserinnen,

Na, habt Ihr schon Pläne für die Ferien? – Ich fahre zu meinen Großeltern. Ich auch. Die Kinder der Christenlehregruppe sind sich schnell einig, dass die Ferientage bei den Großeltern mit die besten sind. Mit Opa angeln gehen. Mit Oma Marmelade kochen. Abends lange aufbleiben, morgens lange schlafen. Verwöhnt werden. Zuhören dürfen, wenn aus alten Zeiten erzählt wird. Fotos bestaunen, auf denen die Großeltern Kinder waren. Zuschauen und nachmachen. Zeit füreinander haben. – Großeltern und Enkel lernen voneinander. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. – Natürlich gibt es verschiedene Großeltern-Typen: die distanzierte oder die verwöhnende Oma, der unterstützende wie der „Früher-war-alles-besser“ Opa. Aber in der Regel erleben die Generationen eine besondere Beziehung und Verbundenheit, die tiefer geht als die Verwandtschaft. Die Verbindung zwischen Jung und Alt gelingt auch mit Paten-Großeltern.

Der Prophet Joel (Joel 3,1) entdeckte in der Beziehung zwischen Jung und Alt Gottes Geist. Er sprach davon, dass es eine Zeit geben wird, in der die Söhne und Töchter voraussagen werden, was wird. Das klingt dann nach der Weisheit der Alten. Und die Alten werden wieder anfangen zu träumen. Sie wirken nicht mehr abgeklärt, sondern zuversichtlich. Gemeinsam gestalten dann die Generationen die Welt in Gottes Sinne.

So eine Zeit können gemeinsame Ferientage sein. Den Himmel auf Erden zusammen spüren. Gemeinsam Gott nahe sein.

Dazu noch eine kleine Geschichte: Ein kleiner Junge wollte Gott treffen. Er packte einige Coladosen und Schokoladenriegel in seinen Rucksack und machte sich auf den Weg. In einem Park sah er eine alte Frau, die auf einer Bank saß und den Tauben zuschaute. Der Junge setzte sich zu ihr und öffnete seinen Rucksack. Al er eine Cola herausholen wollte, sah er den hungrigen Blick seiner Nachbarin. Er nahm einen Schokoriegel und gab ihn der Frau. Dankbar lächelte sie ihn an – ein wundervolles Lächeln! Um dieses Lächeln noch einmal zu sehen, bot ihr der Junge auch eine Cola an. Sie nahm sie und lächelte wieder, noch strahlender als zuvor. So saßen die beiden den ganzen Nachmittag im Park. Als es dunkel wurde verabschiedete sich der Junge. – Zu Hause fragte ihn seine Mutter: „Was hast du denn heute Schönes gemacht, dass du so fröhlich aussiehst?“ Der Junge antwortete: „Ich habe mit Gott Mittag gegessen – und sie hat ein wundervolles Lächeln!“ – Auch die alte Frau war nach Hause gegangen, wo ihr Sohn sie fragte, warum sie so fröhlich aussehe. Sie antwortete: „Ich habe mit Gott Mittag gegessen – und er ist viel jünger, als ich dachte.“ (Verfasser:in unbekannt)
In diesem Sinne wünsche ich allen anrührende und auch tiefgehende Begegnungen zwischen Jung und Alt in den kommenden Sommerwochen!

Pfrn. Annette Kalettka


Rund um das Rad

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Räder haben derzeit Hochkonjunktur. Die Fahrradläden boomen. Eine der wenigen Branchen, die von der Corona-Pandemie profitiert hat. Mann und Frau, Groß und Klein, schwingt sich auf´s Rad, denn Radfahren, das verschafft Bewegung. Vor allem für die Büromenschen unter uns, eine willkommene Abwechslung zum langen Winter und zum Homeoffice. Und der Radsport war auch zu Hoch-Zeiten der Pandemie im erlaubten Bewegungsradius, gut zu realisieren.

Und so hat sich auch eine kleine Schar aus unserem Kirchspiel am 30. Mai zusammengefunden, um gemeinsam Rad zu fahren. Auf dem Bahndamm der Windbergbahn, die von Freital nach Possendorf fuhr – zur alten Heddel – ging es entlang.

Ein geistlicher Einstieg durfte nicht fehlen, und so begannen wir unseren Radausflug in der Kirche mit einem Gottesdienst. Und erfuhren von Pfarrer Beyer, was die Radkonstruktion mit Gotteswerk zu tun hat. Es folgt ein Auszug aus seiner Predigt: „Zwei Dreiecke sind es, auch Diamant genannt, die den klassischen Fahrrad-Rahmen bilden. Und es gibt nichts Stabileres als ein solches Dreieck, da kann sich nichts verschieben und verbiegen – es stabilisiert sich gegenseitig. Natürlich gibt es komfortablere Formen, etwa wenn eine Federung eingebaut wird, aber das geht dann eben auf Kosten der Stabilität; kein Wunder, dass sich daran selbst in 140 Jahren nichts Wesentliches geändert hat! Dieses sagenhafte Dreieck taucht auch in der Symbolik unseres Glaubens auf: in der Darstellung Gottes, oftmals als sog Gottesauge. Die drei Seiten sind nicht zufällig, sie haben zu tun mit dem Bekenntnis zum dreieinigen Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Es handelt sich dabei um einen grenzwertigen Versuch der frühen Theologie, Gott sozusagen auf den Begriff zu bringen. Am Ende ist es eher ein Bild, das versucht, die verschiedenen Erfahrungen mit Gott auszudrücken und dabei doch deutlich zu machen: es sind nicht verschiedene, er ist einer – so wie eben ein Dreieck erst dann zum Dreieck wird, wenn alle drei Seiten, alle drei Winkel dabei sind: drei Seiten, die sich gegenseitig stützen und stabilisieren. Dieser dreieinige Gott als der stabile und stabilisierende Rahmen für unsere Fahrt durchs Leben, darauf lassen wir uns nieder, der trägt uns; der hält allen Belastungen und manchen Verwindungen stand.“

Ein Rad hat seinen Sinn in der (Fort-)Bewegung. Nur so machen wir Strecke. So wie wir auch im Glauben und im Vertrauen auf Gott Schritte gehen müssen, damit es weiter geht und wir nicht stehen bleiben. Das bedarf manchmal der Kraftanstrengung. Da müssen wir richtig in die Pedale treten. Und so fuhren wir in Gottes Namen los. Bergauf und bergab über Zscheckwitz, Brösgen und Possendorf, vorbei an den alten Verladestationen der Steinkohle auf dem alten Bahndamm bis nach Gittersee (s. Foto) ging unsere Fahrt. Auch die Rast und die Ruhe (Einkehr war wieder möglich!) fehlten nicht, so wie im Glaubensleben, um Kraft zu tanken.

Übrigens: ein Tipp für die, die umsteigen wollen, vom Rad in den Zug: auch auf Eisenbahnrädern lässt sich neuerdings ein Stück der Wegstrecke vom Bahnhof Gittersee bis zum neu geschaffenen Haltepunkt Leisnitz – Schloss Burgk in Sonderfahrten zurücklegen.

Nach diesem kurzweiligen, ergiebigen Ausflug habe ich gedacht: Rad fahren mit der Jugend, das wäre unkompliziert und ohne viel Aufwand möglich in dieser Zeit. Die letzten Jugendrüstzeiten führten uns mit Kleinbussen in die Mecklenburgische Seenplatt. Wir erkundeten die verschiedenen Seen und waren mit dem Wasser verbunden. Die Jahre vorher haben wir die verschiedensten Radwege erkundet. Wir fuhren auf dem Froschradweg, von Berlin zum Darß, nach Usedom oder um die ganze Mecklenburgische Seenplatte. Wer sich daran erinnert, dem wird sich ein Lächeln ins Gesicht schleichen. Ich erinnere die erste Radrüstzeit, sie verlief an der Elbe. Das Ziel sollte Wittenberg sein, wir waren so schnell, dass wir bis Magdeburg radelten. Wir versuchen es diesmal wieder auf dem Elbradweg und ich bin gespannt, wie weit uns das Rad rollen wird. Torgau? Wittenberg? Es braucht nicht viel. Ein Rad mit Gepäckträger, Zelt, und Lust, so wenig, wie nur möglich mitzunehmen. Durch unsere jetzige Zeit braucht es auch eine Voranmeldung auf den Zeltplätzen, Coronatests und Nerven. Wir starten am 24. Juli und hoffen auf gutes Wetter und immer Luft auf dem Reifen. Wie wird es uns ergehen? Wir werden es an dieser Stelle berichten.

Schließen möchten wir mit einer Liedstrophe aus dem Ev. Kirchengesangbuch (251, 1): „Führe mich auf rechter Straße, ich bin oft so starr und träg. Hilf mir, dass ich nicht verpasse deinen, meinen guten Weg. Ich bin müde, ließ mich jagen von der Arbeit und vom Geld, mitten hier in meinen Plagen lass mich ahnen deine Welt.“

In diesem Sinne: bleiben Sie behütet unter Gottes Augen auf allen Ihren Wegen in diesem Sommer, sei es zu Fuß, auf vier Rädern oder auf dem Zweirad!

Ihre Kirchvorsteherin Christine Löwe und Ihre Gemeindepädagogin Kerstin Wrana


Spazierengehen, Wandern, Pilgern, betend unterwegs sein …

Liebe Gemeindeglieder und Interessierte,
in unserer Umgebung gibt es noch weitere Sühnekreuze, Betsäulen oder Bildstöcke.
In Bärenklause bei Kreischa z.B. erinnert ein Steinkreuz an die verzweifelte Tat einer Mutter namens Rosina Heschel, die ihr Kind getötet hatte und dafür enthauptet (Decollata) wurde. Was wir heute als spannende Kriminalgeschichte lesen, war vielleicht eine ausweglose Situation im Leben einer Frau, die nicht wusste, wie sie ihr Kind großziehen kann. Warum passieren Dinge, die wir eigentlich nicht wollen? Was macht es mit uns, wenn wir nicht genug Geld haben? Oder andere uns mobben, ignorieren, über uns reden? Halte inne – lass deine Traurigkeit, deine Scham, deine Verbitterung und Enttäuschung über das, was dir durch andere geschieht, an diesem Ort!
Unweit davon entdecken wir an einer Mauer in Babisnau ein Relief aus dem 13. Jahrhundert.
In Quohren halte ich inne. Wieder eine Betsäule. Wiedererichtet im Jahre 2007.
Wer gern mehr erfahren möchte, findet hier weitere Informationen: www.suehnekreuze.de; wikipedia – Liste der Bildstöcke und Wegkreuze im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge;
Matthias Schildbach, Die Enthauptete – ein Sächsischer Kriminalfall (2019);
Ulrich Eichler, „Marter und Bildstock-Betsäulen in Sachsen“;
In unserer Mitarbeiterrunde ist die Idee entstanden, Pilger- und Wanderwege zusammen zu stellen mit entsprechenden Wegbeschreibungen und Informationen, aber auch mit Impulsen zur Meditation und zum Weiterdenken. Jana Köbsch und ich würden daraus gern ein Projekt machen in Zusammenarbeit mit den Tourismusbehörden, Heimatvereinen u.a. Wer ist mit dabei? Wir würden das Projekt gern mit anderen auf den Weg bringen. Bitte meldet euch, melden Sie sich bei annette.kalettka@evlks.de oder Jana Köbsch, Tel. 0151-23080459.

Pfarrerin Kalettka

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