Wort an die Gemeinde

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

was für eine Zeit! Seit mehreren Monaten haben sich unser Alltagsrhythmus und unser Lebensstil sehr verändert. Unfreiwillig. Aber nicht unbedingt unwillkommen. Gottes Schöpfung konnte durchatmen. In den Metropolen der Welt gab es klare Luft und einen offenen Blick in den Himmel. Selbst die Tierwelt in den Nationalparks und Zoos lebte ruhiger und artgerechter. In jeder Krise liegt eine Chance, die Möglichkeit zur Wende. Eine andere, eine neue Richtung lässt sich einschlagen. Das Jahresthema unseres Kirchspiels – die Bewahrung von Gottes Schöpfung – haben wir in den letzten Wochen nicht aus dem Blick verloren. So haben Wildbienen hier und da auf Kirchengrundstücken ein Zuhause gefunden. Zu Ostern wurde auf dem Possendorfer Friedhof ein blühendes Kreuz gepflanzt. In Kreischa haben Kinder mit unseren Hauptamtlichen eine Blumenwiese angelegt. In Oelsa wachsen Sonnenblumen neben der erweiterten Straße. Alle Jugendlichen, die in diesem Jahr konfirmiert werden, erhalten eine Robinie als Konfirmationsgeschenk.

Die Robinie ist der Baum des Jahres 2020. Sie gehört zu den Schmetterlingsblütlern und hat cremeweiße Blüten. Vor 300 Jahren kam sie aus Nordamerika nach Nordeuropa. Sie kommt im städtischen Klima und mit nährstoffarmem Boden gut zurecht. Auch lädt sie Insekten und Bienen gern ein, denn sie spendet viel Nektar (Informationen unter www.nabu.de).

Hoffnung säen, Zukunft pflanzen. Gerade in und nach einer Krise. Das Pflanzen eines Baumes ist nicht nur eine Gartenarbeit. Gern lässt sich dazu auch ein Gebet sprechen. Hier habe ich eins gefunden:

Wir pflanzen diesen Baum, Gott, als Zeichen unserer Reue für die maßlosen Zerstörungen deiner Schöpfung durch uns Menschen. Stehe uns bei, Gott, wenn wir begreifen, was wir getan haben und immer noch tun. Vergib uns, Gott, und beunruhige uns. Verändere unseren Sinn und verhilf uns zu einem neuen Lebensstil, der die Bewahrung der Schöpfung will.

Wir pflanzen diesen Baum, Gott, als Zeichen unserer Hoffnung für die Zukunft unseres Kontinents und unserer Erde. Mache deine Kirchen zu Orten der Versöhnung und des Friedens. Erfülle sie mit Zuversicht zu deiner Ehre und zum Wohle der Schöpfung.

Wir pflanzen diesen Baum, Gott, als Zeichen unserer Zuversicht und bitten dich um deinen Heiligen Geist, erfülle uns mit Liebe und Einsicht, dass wir zu Einheit und Kommunion gerufen sind. Schenke uns Mut, das Gespräch zu suchen in tiefer Achtung für die Vielfalt der Gaben, die du uns geschenkt hast.

Wir pflanzen diesen Baum, Gott, als Zeichen unseres Vertrauens:
Gesegnet ist der Mensch, der sich auf Gott verlässt und dessen Zuversicht der Ewige ist. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt und am Bach gewurzelt. Denn obgleich eine Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün, und sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern er bringt ohne Aufhören Früchte. (Jeremia 17,7+8) Amen
(2007 Sibiu/ Rumänien, 3. Europäische Ökumenische Versammlung)

Bleiben Sie weiterhin gesund! Haltet Euer Immunsystem fit!
Beobachten wir bewusst den Sommer!

Im Namen aller Mitarbeitenden und der Kirchgemeindevertretungen grüßt Pfarrerin Annette Kalettka (25.05.2020)