Herzlich Willkommen

im Ev.- Luth. Kirchspiel Kreischa-Seifersdorf!
Wir freuen uns über Ihren Besuch hier auf der Internetseite unseres Kirchspiels.
Unser Kirchspiel liegt südlich vor den Toren der Stadt Dresden. Zum Kirchspiel gehören seit 2007 die Gemeinden Kreischa, Oelsa, Possendorf, Rabenau und Seifersdorf. Alle Gemeinden zusammen zählen etwas mehr als 3.200 Gemeindeglieder. Damit sind wir nach Freiberg die größte Gemeinde in unserem Kirchenbezirk.
Auf unserer Internetseite erhalten Sie Einblick in die verschiedenen Gemeindebereiche. Hier können Sie sich über aktuelle Gemeindekreise, Gottesdienste und Veranstaltungen informieren. Außerdem finden Sie hier auch Zugang zur Arbeit des Freundeskreises der Kirchenmusik e.V., der unser Kirchspiel bereichert.
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Ihre Pfarrerin Annette Kalettka


Ein recht neues Jahr!

Liebe Leserinnen und Leser,

für die alten Römer begann das neue Jahr im Monat März, benannt nach Mars, dem Kriegsgott: jetzt, wo der Winter vorüber war, konnte man endlich wieder Krieg führen, Provinzen erobern (bzw. befrieden, wie sie es nannten). Julius Cäsar legte den Jahresbeginn dann auf den 1. Januar und brachte somit Amtsjahr und Kalenderjahr wieder in Deckung. Am Kriegführen hat ihn das bekanntlich nicht gehindert. Nur rätseln seitdem Lateinschüler, wieso etwa der September, der neunte Monat unseres Kalenders, die Zahl sieben (septem) in sich trägt.
Aber vielleicht war es ja der Namenspatron des Januar, der doppelgesichtige Gott Janus, zuständig für Anfang und Ende, Ein- und Ausgänge, Türen und Tore, der es plausibel erscheinen ließ, das neue Jahr mit ihm beginnen zu lassen: man geht in etwas Neues hinein und weiß nicht, was es bringen mag: Freude oder Kummer, Lachen oder Weinen, Erfolg oder Niederlage.
Diese Ungewissheit an der Schwelle des neuen Jahres hat die Menschen scheinbar schon immer beschäftigt und nach Wegen suchen lassen, sie irgendwie zu bannen und in den Griff zu bekommen. Und wenn das schon nicht gelingt, wollen sie doch wenigstens vorher zu erfahren, was da auf sie zukommt. So soll das Böllern zu Silvester angeblich die bösen Geister vertreiben, mit gegossenem Blei möchte man ein wenig in die Zukunft schauen und „zwischen den Jahren“ hängt man keine Wäsche raus, um kein Unglück auf sich herab zu beschwören. Auch wenn man das alles als Aberglaube abtun mag (und die Böllerei sich längst verselbständigt hat), so bleibt doch die Ungewissheit; an ihr kommt man nicht wirklich vorbei.
Kirchlicherseits hat man immer wieder damit gefremdelt, den Jahreswechsel gottesdienstlich zu begehen: zu nahe oder gar übermächtig erschienen die abergläubischen oder heidnischem Bräuche. Der 1. Januar ist vielmehr der Namenstag Jesu (bzw. der Tag seiner Beschneidung), so steht es etwa auch über der 4. Kantate des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach. Inzwischen sind Gottesdienste zum Jahreswechsel fest etabliert (was in diesem Jahr, wo Silvester ein Sonntag ist, nicht so auffällt). Dabei sind Gottesdienste am sog. Altjahresabend wesentlich beliebter als solche am Neujahrstag (oder gar am Neujahrsmorgen). Die Bequemlichkeit scheint demnach größer zu sein als die Ungewissheit – eigentlich ein gutes Zeichen!
Der Anfang von etwas ist die Hoch-Zeit der Wünsche. Wenn alles noch vor einem liegt, wenn es noch keine Vergangenheit gibt, die einem in die Quere kommen könnte, kann man sich und anderen alles wünschen: für die Ehe, für das neue Lebens- oder Ausbildungsjahr oder eben auch das Kalenderjahr.
Und was wünscht man da einander? Natürlich alles Gute und vor allem Gesundheit. Damit ist man auf der sicheren Seite. Ansonsten ist das Wünschen nicht ohne Tücke. Denn wir wissen, dass unsere Wünsche wenig Einfluss haben auf das, was tatsächlich geschehen wird. Im Gegenteil: diejenigen, denen wir vor allem Gesundheit wünschen, werden in erheblichem Maße mit Krankheiten zu kämpfen haben. Und mancher Wunsch könnte eine Wunde aufreißen, wenn ich etwa dem die große Liebe wünsche, der schon seit Jahren vergeblich danach sucht. Als mir mein Autohändler zum Neuwagen „möglichst wenige Unfälle“ wünschte, zeugte das von seinem Realitätssinn (oder seiner Hoffnung auf Reparaturaufträge), etwas pikiert war ich dennoch. Mancher flüchtet darum ins Unverbindliche und wünscht „alles, was du dir selber wünschst!“
Neujahrswünsche haben da noch eine Besonderheit: wir wünschen uns außer dem gesunden ein frohes neues Jahr. Das ist ein schöner Wunsch. Und er meint mehr, als dass von den beiden Janus-Köpfen möglichst der mit den Mundwinkeln nach oben das letzte Wort haben möge. Denn Frohsinn hängt nur zum Teil von dem ab, was mir begegnet, sondern vor allem davon, wie ich an Sachen heran gehe, wie ich den Dingen und vor allem den Menschen begegne. Ein frohes neues Jahr ist dann vor allem eins, in dem ich die Dinge und die Menschen zunächst erst einmal von der positiven Seite sehe, ihnen nicht das Schlimmste, sondern erst einmal das Beste zutraue. Damit wäre schon viel gewonnen.
Noch mehr gewonnen wäre freilich, wenn es nicht nur ein gesundes und frohes, sondern ein gesegnetes neues Jahr wäre, das wir einander wünschen, das wir für einander erhoffen. Rein äußerlich ändert sich dadurch erst einmal nicht viel. Es bleibt ein Jahr mit vielen Unbekannten, mit Chancen und Risiken und der großen Wahrscheinlichkeit, dass es nicht so gut wird wie erhofft. Innerlich hingegen ändert sich eine Menge:

  • diese Zeit, die mir entgegen kommt, die noch eine große Unbekannte ist, nehme ich aus Gottes Händen, der eben nicht der große Unbekannte ist, sondern der, dessen Liebe und Wohlwollen mir gewiss ist,
  • in einem gesegneten Jahr kann mir selbst das, was meine Wünsche enttäuscht, was mir Kummer und Schmerz bereitet, zum Besten dienen, kann mir zum Segen werden,
  • in einem gesegneten Jahr werde ich das, was mir gelingt und was meinen Wünschen entspricht, nicht einfach als selbstverständlich oder wohl verdient ansehen, sondern als Zeichen der Gnade und Güte Gottes,
  • in einem gesegneten Jahr weiß ich, dass ich nicht tiefer fallen kann als nur in Gottes Hand.

In ein gesegnetes Jahr kann ich darum nicht nur froh und zuversichtlich hinein gehen, sondern mit einem festen Gottvertrauen, dass er die Dinge zum besten wenden wird – über alle Niederlagen und Katastrophen hinaus.
Dem einen mag das zu wenig sein, er hätte gern die Sicherheit, dass – mit Gottes Hilfe – alles glatt gehen möge. Einem anderen mag es zu viel erscheinen, weil es schön rede, was einfach nicht schön ist. Für mich ist es genug, dieses Jahr zuversichtlich und mit Freude zu beginnen, wohl wissend, dass Segen mehr ist, als ich verstehen und erklären kann.
Und wem dass alles nicht recht ist, der wünsche doch einfach ein recht neues Jahr – das wäre ja auch schon mal was.

Ihr Pfarrer Martin Beyer

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