Herzlich Willkommen

im Ev.- Luth. Kirchspiel Kreischa-Seifersdorf!
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Unser Kirchspiel liegt südlich vor den Toren der Stadt Dresden. Zum Kirchspiel gehören seit 2007 die Gemeinden Kreischa, Oelsa, Possendorf, Rabenau und Seifersdorf. Alle Gemeinden zusammen zählen etwas mehr als 3.200 Gemeindeglieder. Damit sind wir nach Freiberg die größte Gemeinde in unserem Kirchenbezirk.
Auf unserer Internetseite erhalten Sie Einblick in die verschiedenen Gemeindebereiche. Hier können Sie sich über aktuelle Gemeindekreise, Gottesdienste und Veranstaltungen informieren. Außerdem finden Sie hier auch Zugang zur Arbeit des Freundeskreises der Kirchenmusik e.V., der unser Kirchspiel bereichert.
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Ihre Pfarrerin Annette Kalettka


Abstiege

Liebe Leserinnen und Leser,

Abstiege sind nicht jedermanns Sache: bei Meisterschaften sollen sie um jeden Preis vermieden werden, sie sind die größte anzunehmende Niederlage. Beim Wandern sind sie auch nicht so schön: es staucht in den Knien, und außerdem liegt das Ziel der Tour ja nun schon hinter einem. Und wer im Leben sich auf dem absteigenden Ast befindet, dem ist wahrscheinlich nicht mehr zu helfen.

Da ist es nur ein schwacher Trost, dass Abstiege nun mal zum Leben dazu gehören: nur bergauf, das geht nicht, genauso wenig, wie ewig auf dem Gipfel zu bleiben. Und wenn man ganz oben ist, führen nun mal alle Wege hinab! Freude am Abstieg kommt dadurch noch lange nicht auf Aber man kann etwas vom Gipfel mit hinab nehmen: den Erfolg, die Genugtuung, es bis dahin geschafft zu haben, das Glück, ganz oben gewesen zu sein, die Erinnerung an die Aussicht, die Hoffnung auf die Wiederkehr.

Der Abstieg ist dann eine Art Rückkehr in die Normalität, in die bekannten Mühen der Ebene. Und das muss keine Nieder­lage sein: weil ich dieses Erlebnis auf dem Gipfel hatte, kann ich eben diese Mühen der Ebene mit mehr Schwung, einem anderen Blick, einer veränderten Einstellung angehen.

Mit dem Sonntag am 2. Februar, Mariä Lichtmess, endet vom Kirchenjahres-Kalender her der Weihnachtsfestkreis. Diesem Sonntag ist eine Geschichte aus dem Matthäus-Evangelium zugeordnet: Jesus steigt mit einigen seiner Jünger auf einen Berg. Dort zeigt er sich ihnen in all seiner Herrlichkeit. Sie dürfen etwas sehen von dem, was einmal sein wird. Und natürlich würden sie am liebsten dort bleiben. Stattdessen müssen sie sich an den Abstieg machen – wieder hinab in ihren Alltag, der nicht so schön und glänzend ist wie das, was sie eben erlebt haben. War es ein deprimierender Abstieg für sie? Oder haben sie etwas in sich getragen: eine Hoffnung, eine Aussicht, dass das Leben sich nicht im grauen Alltag erschöpft, sondern auf eine große Herrlichkeit hinaus will, von der sie ein Stück haben sehen dürfen? Denn es war ja nicht der Glanz der Vergangenheit, den sie da gesehen haben. Es war eine Vorwegnahme dessen, was noch kommen würde, ein Vorgriff auf die österliche Herrlich­keit, auf Gottes Ewigkeit.

Das „offizielle“ Ende des Weihnachtsfestkreises fällt in eine Zeit, in der die meisten damit schon längst abgeschlossen und sich anderen Dingen zugewandt haben. Die Dekoration und die Beleuchtung sind längst abgebaut und auf dem Boden verstaut. Vom Lichterglanz und dem besonderen Zauber der Weihnacht sind wir längst in den ganz normalen Alltag abgestiegen.

Nun gut, vielleicht tragen wir noch etwas von diesem Licht in uns; weil wir etwas von Gottes Herrlichkeit gesehen und erlebt haben in den Geschichten und Liedern und Bildern der Weih­nacht. Weil wir ein Stück davon erfahren haben, was es bedeutet, dass Gott uns nahe sein will. Aber solche Erinnerungen ver­zehren sich mit der Zeit, sie verblassen. Von der Erinnerung an Schönes kann man nur eine begrenzte Zeit lang leben. Oder nehmen wir noch etwas mehr mit als die Erinnerung an die Weihnacht? Anders als die Jünger damals nehmen wir ja noch eine Erinnerung mit: die an Ostern. Was für die Zeitgenossen allenfalls eine vage Vermutung war, ist für uns etwas, worauf wir schon zurück blicken können: die Überwindung des Todes in der Auferstehung.

Aber das ist doch mehr als eine Erinnerung; es ist vor allem eine Aussicht, eine Erwartung, eine Hoffnung, der wir entgegen gehen. So gesehen befinden wir uns gar nicht auf dem Abstieg vom Gipfel, sondern haben nur eine kleine Anhöhe auf dem Weg dahin genommen. Und wir kehren nicht einfach in die Mühen der Ebene zurück, sondern sind unterwegs auf dem Weg zum großen Ziel.

Auf diesem Weg gibt es natürlich ein auf und ab. Und die zwischenzeitlichen Abstiege, die uns da nicht erspart bleiben, können sehr traurig sein; manche glauben gar, die Welt gehe unter. Andere tragen im Auf und Ab ihres Lebens hingegen etwas vom Licht der göttlichen Herrlichkeit in sich und erhellen so ihr Leben – und das der Menschen um sie herum. Das Licht der Weihnacht, das sie bereits erblickt haben – und das Licht des Osterfestes, das uns entgegen leuchtet.

Ihr

Pfarrer Dr. Martin Beyer

(07.02.2020)

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