Herzlich Willkommen

im Ev.- Luth. Kirchspiel Kreischa-Seifersdorf!
Wir freuen uns über Ihren Besuch hier auf der Internetseite unseres Kirchspiels.
Unser Kirchspiel liegt südlich vor den Toren der Stadt Dresden. Zum Kirchspiel gehören seit 2007 die Gemeinden Kreischa, Oelsa, Possendorf, Rabenau und Seifersdorf. Alle Gemeinden zusammen zählen etwas mehr als 3.200 Gemeindeglieder. Damit sind wir nach Freiberg die größte Gemeinde in unserem Kirchenbezirk.
Auf unserer Internetseite erhalten Sie Einblick in die verschiedenen Gemeindebereiche. Hier können Sie sich über aktuelle Gemeindekreise, Gottesdienste und Veranstaltungen informieren. Außerdem finden Sie hier auch Zugang zur Arbeit des Freundeskreises der Kirchenmusik e.V., der unser Kirchspiel bereichert.
Schauen Sie sich um! Wir hoffen, unter den vielen Möglichkeiten und Angeboten finden Sie auch etwas, das Sie anspricht. Unter dem Menüpunkt „Kontakte“ können Sie auch direkt einen Ansprechpartner für Ihr Anliegen finden.

Ihre Pfarrerin Annette Kalettka


Liebe Leserinnen und liebe Leser!

Es ist schwer über etwas zu schreiben, was es schon so lange gibt und immer mehr verfremdet erscheint – Weihnachten! Alle Jahre wieder… geht es um den Widerspruch zwischen Kommerz und Kunden, Botschaft und Hektik! War das schon immer so?

Weihnachten – es gehört zur Christenheit!  Seit dem 4. Jahrhundert wird es gefeiert. Die Weihnachtsgeschichte kennen mittlerweile alle. In der Schule wird sie in Ethik und Religion erzählt. Diese Geschichte gehört zu unserer Tradition, dem christlichen Abendland, auch wenn es 40 Jahre in diesem Teil von Deutschland anders war!

Nur, alle Jahre wieder reibt sich Frau und Mann. In mir sträubt sich etwas, wenn ich so schreibe, denn ich mag Weihnachten sehr. Ich habe es gern, wenn wir uns alle um den Weihnachtsbaum versammeln, die Kerzen brennen – es sieht friedlich aus. Und dennoch weiß ich von vielen, dass  es das schwierigste Fest ist. Über den Ausspruch „einmal Weihnachten ist schlimmer als sechsmal Ostern!“ bin ich erst letztens gestolpert. Es hat mich zum Nachdenken und jetzt zum Schreiben gebracht. War das schon immer so? Das war die Ausgangsfrage!

Hermann Hesse schreibt in seinen Betrachtungen  „Weihnachten“ von 1917 folgendes:  „Unsere Weihnacht ist, von den paar wirklich Frommen abgesehen, ja schon wirklich lange eine Sentimentalität. Zum Teil ist sie noch Schlimmeres geworden, Reklameobjekt, Basis für Schwindelunternehmungen, beliebtester Boden für Kitschfabrikation.“

Es gibt noch mehr bekannte oder weniger bekannte Schriftsteller, die über Weihnachten schreiben. In den verschiedensten Jahrhunderten kommt ähnliches heraus. Wie gern las ich Weihnachten bei den Buddenbrooks! Wie inszeniert die jeweilige Gesellschaft Weihnachten? Welche massenwirksame Gefühls-Industrie wird gewinnen? Das kennen wir auch heute. Durch die Literatur zieht sich die Kritik am Weihnachtsfest hindurch. Zum weihnachtlichen Gefühl, gehört heute auch ein gewisser Unterton des Gespötts. Und wir kennen es alle, wenn es sentimental wird, ist die Satire nicht weit. Ich könnte jetzt in die Politik abschweifen und das deutsche Bürgertum benennen. Oder Weihnachten als weihevolles Privat-Ritual heraufbeschwören, mit Sinn und Stabilität, auch wenn man sich das ganze Jahr streitet. Die Frage bleibt trotzdem: Warum lebt dieses Fest, trotz aller Verflachung und allem Konsums? Was für ein Geheimnis ist um Weihnachten, was aller Religionskritik widerspricht und die Kirchendistanz vergisst. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das christliche in unserer Gesellschaft schwindet, aber Weihnachten scheint alles anders!

Weihnachten hat mit Liebe zu tun. Die Menschen stehen sich näher. Ich habe immer den Eindruck, dass man begreifen kann, was Gnade, was Hoffnung und Vertrauen ist.

Auch Hermann Hesse schreibt in seinem „Weihnachten“ von 1917 davon: „Zündet euren Kindern die Weihnachtsbäume an! Lasset sie Weihnachtslieder singen! Aber betrüget euch selber nicht, seid nicht immer und immer wieder zufrieden mit diesem ärmlichen, sentimentalen, schäbigen Gefühl, mit dem ihr eure Feste alle feiert! Verlangt mehr von Euch! Denn auch die Liebe und Freude, das geheimnisvolle Ding, das wir „Glück“ nennen, ist nicht da oder dort, sondern nur „inwendig in uns“.

Das bringt es für mich auf den Punkt: Weihnachten ohne Liebe? Und zu wem kommt sie zuerst, von den Engeln verkündet? Zu den Hirten, zu den armen Leuten auf dem Feld und dann in den Stall.

Wie geht es uns heute? Können wir an der Krippe die Liebe, den Frieden finden? Ich denke, wir sind uns einig, dass wir nicht von Weihnachten zwischen dem 1. und 24. Dezember reden. Mit Weihnachten ist nicht die Werbung und Reklame gemeint, die manch einer unter uns als Schlacht um das Fest der Familie und der Liebe bezeichnet. Da gibt es wahrscheinlich viel mehr Menschen unter uns als wahrgenommen, die sich sehnen nach der Erkenntnis, dass Gott geboren ist, dass dieser Jesus von Nazareth wahrhaft Mensch und wahrhaft Gott war, dass es für alle Menschen ein Vater unser gibt. Gott ist menschenfreundlich! Er ist uns zugeneigt mit seiner Liebe und Sympathie! Ist das denn eine lächerliche Botschaft? „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen auf Erden!“ Die Frage nach dem Sinn, dem Ursprung, den Wurzeln dieses Festes ist gleichzeitig eine Frage nach der Würde des Menschen. In der Botschaft geht es nicht um Konsum-, Ess- und Trinkwahn! Es geht um die Würde und Vertrauen und um geschichtliche Zusammenhänge, die in unseren Traditionen verankert sind.

Was ist nun mit Weihnachten? Jeder kann es so lassen, wie es geworden ist und wie er es braucht! Das Gute an Weihnachten ist, Gott drängt sich nicht auf, er ist da als Kind und als Vater unser! Er ist die Freiheit aus dem Nichts, auf sie will ich nicht verzichten, wenn ich sie geschenkt bekomme. Alles andere ist nebensächlich, kann ich aber mitmachen.

Neben aller Geschäftigkeit, aller Hektik und aller Einsamkeit um Weihnachten herum, wünsche ich Ihnen, dass Sie etwas davon spüren können, wenn „der Himmel die Erde still küsst“. (Eichendorff „Mondnacht“)

Ihre Gemeindepädagogin Kerstin Wrana

 
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