Herzlich Willkommen

im Ev.- Luth. Kirchspiel Kreischa-Seifersdorf!
Wir freuen uns über Ihren Besuch hier auf der Internetseite unseres Kirchspiels.
Unser Kirchspiel liegt südlich vor den Toren der Stadt Dresden. Zum Kirchspiel gehören seit 2007 die Gemeinden Kreischa, Oelsa, Possendorf, Rabenau und Seifersdorf. Alle Gemeinden zusammen zählen etwas mehr als 3.200 Gemeindeglieder. Damit sind wir nach Freiberg die größte Gemeinde in unserem Kirchenbezirk.
Auf unserer Internetseite erhalten Sie Einblick in die verschiedenen Gemeindebereiche. Hier können Sie sich über aktuelle Gemeindekreise, Gottesdienste und Veranstaltungen informieren. Außerdem finden Sie hier auch Zugang zur Arbeit des Freundeskreises der Kirchenmusik e.V., der unser Kirchspiel bereichert.
Schauen Sie sich um! Wir hoffen, unter den vielen Möglichkeiten und Angeboten finden Sie auch etwas, das Sie anspricht. Unter dem Menüpunkt „Kontakte“ können Sie auch direkt einen Ansprechpartner für Ihr Anliegen finden.

Ihre Pfarrerin Annette Kalettka


Liebe Mitglieder unserer Kirchgemeinden,

heute fällt es mir schwer, ein Thema zu finden. Allerheiligen – es wäre eine Möglichkeit. Nur, da kommt das Wort Heilige vor. Was soll ich dazu schreiben und  dabei nicht lächerlich erscheinen? Heilige? Im Glaubensbekenntnis heißt es: „ Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen!“ Jeder Mensch ist heilig! Paulus schreibt die Gemeinden immer als Heilige an: „An alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen.“ Schau ich in die Welt, nach Myanmar – jeder Mensch ist heilig – erschreckend, fürchterlich! Für wen gilt denn die Sichtweise – jeder Mensch ist heilig? Die Menschen lernen nicht aus der Geschichte. Wie kann es sein, dass Polizei und Militär in Myanmar die Rohingya und ihre Gebiete nicht einfach unter Kontrolle halten wollen, sondern anscheinend eine Politik der verbrannten Erde, der Vertreibung, der „ethnischen Säuberung“ verfolgen? Dass die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die jahrzehntelang in Myanmar gegen ein finsteres Militärregime und für die Demokratie gekämpft hat, nun als führende Politikerin ihres Landes die Misshandlung der Rohingya offenbar mitträgt und schweigt? Ich bin empört! Gerade dann, wenn ich mit Kindern und Jugendlichen über das Christsein spreche und sagen muss, wie schwer es ist, die Gebote und eine Moral vor mir und anderen zu leben. Dann regt sich etwas in mir, die denen Recht geben möchte, dass die, die an Gott glauben, schlimmer sind? Ich weiß, es entspinnt sich eine Argumentation, die nicht meinem Denken entspricht. Immer kann man von verschiedenen Blickwinkeln eine Sache betrachten. Es bedeutet nicht, zu überzeugen, sondern zu erklären, zu verstehen und auch zu leben. Ein Versuch ist es wert, eine Sichtweise zu eröffnen. Deshalb wähle ich heute das Fest Allerheiligen.

Wenn an Allerheiligen und Allerseelen (1. Und 2. November) auf den Friedhöfen viele Kerzen brennen, gedenken katholische Christen ihrer Toten. Doch unter dem Namen „Gedenktag der Heiligen“ steht es auch im evangelischen Kirchenkalender. Es wurde jahrhundertelang auch von den evangelischen Gemeinden in Deutschland gefeiert – so wie noch heute in Skandinavien. Allerheiligen entstand um 600 nach Christus, nachdem man nicht mehr jedem Heiligen ein eigenes Fest widmen konnte. Zunächst war es ein Fest der Märtyrer, also derer, die wegen ihres Glaubens hingerichtet wurden. Später kamen alle bekannten und unbekannten Heiligen dazu, die als Christen überzeugend gelebt haben. Sie wurden mit Liedern und Predigten geehrt und um ihre Fürsprache bei Gott gebeten. Martin Luther lehnte die Heiligenkulte ab, weil die Bibel nur einen himmlischen Fürbitter kennt: Christus! Dennoch hat er die Existenz von Heiligen nicht geleugnet, sondern betont, dass Christen in ihnen ein Vorbild für das eigene Leben sehen sollen. Im heutigen Sprachgebrauch werden Menschen wie Franz von Assisi, Mutter Teresa, Dietrich Bonhoeffer als Heilige betrachtet, weil sie durch ihr Leben überzeugt haben. Unerreichbar für mich, sind diese Menschen mit ihren Taten und ihrem Leben. Das Leben von ihnen liest sich so makellos. Wenn ich genauer hinschaue, dann ist dem nicht so. Das weiß ich!

Weil wir im Reformationsjahr sind, soll Martin Luther herhalten. Geradezu krankhaft hatte er als Mönch versucht, ein heiliges Leben zu leben, bis er erkannte, dass der Mensch sich nicht selber heilig machen kann, sondern das Heilige ein Geschenk Gottes ist. Fortan war für ihn alles, was das Heilige materialisieren und anschaulich machen sollte, verdächtig, den Menschen von Christus zu trennen, nicht Gott, sondern dem Götzen zu dienen. Aber ist das wirklich alles? Ist das Heilige magisch, überlebensgroß oder eine abstrakte, ferne Vorstellung?

Ich glaube, das Heilige ist einfach da in unserem Leben. Jeder kann es erleben und trägt es in sich. Der Heilige muss kein Übermensch sein, kein Wundermann, keine Superfrau. Es können fünf Sekunden sein, die kaum einer merkt und schon gar keiner aufschreibt, so dass sie überliefert würden. Heilig – das ist ein anderes Wort dafür, dass Menschen über sich hinauswachsen können und dass die Möglichkeiten Gottes mit den Menschen größer sind, als sie es begreifen.

Die Welt kann erschreckend sein mit ihrer Brutalität und Mordlust, der Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid. Und doch kommt ihr die Ahnung des Heilen nie abhanden. Wir leben damit und wir reden davon. Für den einen ist die Schallplattensammlung heilig, für die anderen ein Bild. Manchem ist die stille Zeit vor dem Frühstück heilig, anderen wird vorgeworfen, ihnen sei gar nichts heilig. Allem ist eins gemeinsam: Heiliges gibt Halt und weist über den Alltag hinaus. Frage ich Jugendliche, dann können auch sie etwas mit dem Wort „heilig“ anfangen. Heilig ist das, was ihnen kostbar und teuer ist, was ihnen niemand nehmen kann, was ihnen das Gespür für Angenommensein und Geliebtsein gibt, dazu gehören Freundschaft, Familie, Liebe und auch die Freiheit.

Wenn man ein Gespür bekommt für das was heilig ist, dann können wir uns der Welt und ihrem Grauen entziehen, dann zählen Termine, Alltagspflichten nicht, dann kann die Seele heil werden. Jeder hat etwas Unantastbares und Unverfälschtes in sich. Wenn wir in anderen Menschen nicht nur das sehen, was uns in den Blick fällt, dann gehen wir anders mit ihnen um. Wir würden ihre Würde achten. Wir würden sie nicht festlegen auf ihre Fehler und Schwächen, sondern würden ihnen zutrauen, dass sie etwas haben, was heil ist und was sie gut macht. Wir würden mehr Milde und Barmherzigkeit zeigen und mit Güte und Liebe dem Nächsten begegnen.

Das uns dies gelingen möge in unserer Gemeinde und darüber hinaus, das wünsche ich uns

Ihre Gemeindepädagogin Kerstin Wrana

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