Herzlich Willkommen

im Ev.- Luth. Kirchspiel Kreischa-Seifersdorf!
Wir freuen uns über Ihren Besuch hier auf der Internetseite unseres Kirchspiels.
Unser Kirchspiel liegt südlich vor den Toren der Stadt Dresden. Zum Kirchspiel gehören seit 2007 die Gemeinden Kreischa, Oelsa, Possendorf, Rabenau und Seifersdorf. Alle Gemeinden zusammen zählen etwas mehr als 3.200 Gemeindeglieder. Damit sind wir nach Freiberg die größte Gemeinde in unserem Kirchenbezirk.
Auf unserer Internetseite erhalten Sie Einblick in die verschiedenen Gemeindebereiche. Hier können Sie sich über aktuelle Gemeindekreise, Gottesdienste und Veranstaltungen informieren. Außerdem finden Sie hier auch Zugang zur Arbeit des Freundeskreises der Kirchenmusik e.V., der unser Kirchspiel bereichert.
Schauen Sie sich um! Wir hoffen, unter den vielen Möglichkeiten und Angeboten finden Sie auch etwas, das Sie anspricht. Unter dem Menüpunkt „Kontakte“ können Sie auch direkt einen Ansprechpartner für Ihr Anliegen finden.

Ihre Pfarrerin Annette Kalettka


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Jahr 2020 und möchte Sie gern mit der Jahreslosung

Ich glaube, hilf meinem Unglauben! begrüßen.

Was kann man denn noch glauben? – Diese Frage, können die meisten nachvollziehen. Unsere Zeit ist von Verunsicherung geprägt, vor allem, was die weltanschaulichen Grundlagen unseres Lebens angeht, als Einzelne und auch als Gesellschaft insgesamt. Was früher selbstverständlich erschien, wird heute in Frage gestellt. So gut wie nichts scheint es zu geben, was unproblematisch ist. Früher musste jeder seine persönlichen Interessen zurückstellen, weil die Gemeinschaft den Ton angab. Heute kann jeder viel leichter ein selbstbestimmtes Leben führen. Wir können uns als Individuum entfalten. Zunächst mag es wie eine Befreiung wirken. Schauen wir genauer hin, liegt darin auch etwas Schweres. Der Individualismus führt nicht selten zur Vereinzelung. Wir sind nicht mehr genötigt, Lebensentwürfe zu übernehmen, aber jeder muss seinen Lebensentwurf selber entscheiden und das oft schon von Klein auf. Das ist anstrengend.

Oder nehmen wir die Kommunikation. Vieles wurde früher einfach von oben herab entschieden. Es war kaum möglich, viele Informationen zu erhalten und zu vergleichen, um sich sein eigenes Bild zu machen. Heute dagegen wird kommuniziert ohne Ende. Die moderne Technik vernetzt uns praktisch überall und pausenlos mit dem gesamten Globus. Phantastisch und auch eine Überforderung. Ist es nicht auch so, je mehr wir kommunizieren, desto weniger wird verstanden. Die Verunsicherung, nichts zu verpassen, nichts zu überhören geht allgemein einher. Zufriedener oder gar glücklicher werden wir offensichtlich nicht, im Gegenteil.

Was kann ich dennoch glauben? Was könnte es geben, das zu alledem, eine echte Alternative darstellt? Es steht dem Glauben so viel entgegen: einerseits die Fülle der Nachrichten in unserer Informationsgesellschaft und andererseits die vielen furchtbaren Schicksale von Menschen im Kleinen wie im Großen.

Gibt es einen Glauben, der dem standhält? Könnte der christliche Glaube geeignet sein? Ist es nicht eher schwer, fest im Glauben zu stehen, Glaubensstärke zu haben? Ich bin immer sehr beeindruckt von Menschen, die eine Glaubenszuversicht ausstrahlen, die sogar bis in den Tod hinein anhält. Ein wenig richtet das auch den eigenen Glauben auf. Ich bekomme dadurch Kraft und Zuversicht für den eigenen Glauben. Ich meine jedoch nicht die Menschen, die den Eindruck erwecken, dass ihr Glaube in jeder Lebenslage unerschütterlich bleibt. Das ist mir zu wenig menschlich. Dann empfinde ich mich nur als mittelmäßig in meinem Glauben. Dann wird mir mein Glaubenszweifel sehr sympathisch. Wobei Zweifel nicht zu beschönigen ist, denn es gibt Menschen, die verzweifelt sind und so leiden, dass ihnen der Glaube abhanden kommt und der Unglaube einen Platz einnimmt. Das ist nicht das, was ich bevorzugen möchte. Zweifeln ist mir insofern sympathisch, dass ich mich mit anderen darin wiederfinde und damit merke, dass ich mit meinen Sorgen nicht allein auf der Welt bin.

Der feste Glaube und der Glaubenszweifel – Glauben und Unglauben, Vertrauen und Verlassenheitsgefühl – liegt oft sehr nah beieinander. Genau so muss die Lage des Vaters gewesen sein, aus der der Satz unserer Jahreslosung entspringt. Sie steht im Markusevangelium Kapitel 9. Der Vater hat einen schwer an Epilepsie erkrankten Sohn. Er hat schon die Jünger gebeten, seinen Sohn zu heilen. Aber die sind nicht in der Lage. Da wendet er sich in seiner Verzweiflung an Jesus selbst mit den Worten: Wenn du etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!“ Jesus antwortet darauf: Du sagst: Wenn du kannst – alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ Und es heißt weiter: Sogleich schrie der Vater des Kindes „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“

Hier steht Glaube und Zweifel ganz nah beieinander. Darauf folgt dann auch noch der an Bedeutung so schwere Satz: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ Es klingt fast so: Entweder du kannst das! Oder: Du kannst das nicht! Dann hast du eben Pech!

Der Vater schreit Jesus entgegen: Ich würde ja, aber ich kann es nicht. Hilf mir!

Was kann das bedeuten?

  • Der Glaube muss immer wieder neu errungen werden. Glaube kann nicht antrainiert werden. Ich muss etwas tun, um Glauben zu erringen.

Der Vater hat auch etwas getan, er hat es versucht. Er hätte auch sagen können, die Jünger konnten uns nicht helfen, warum soll es mit Jesus werden. Das wäre dann nicht mehr das Neben- und Ineinander von Glaube und Unglaube sondern, dann würde der Unglaube die Oberhand gewinnen.

  • Der Vater erkennt seine Verzweiflung, aber er bleibt nicht mit ihr allein, sondern er wendet sich an Jesus.

Der erste Schritt, den jemand zur Besserung seiner beklagenswerten Situation tun kann, besteht darin, auf jemanden zuzugehen und um Hilfe zu bitten. Die Resignation oder Ohnmacht, die uns lähmen kann, ist überwunden, wenn wir um Hilfe bitten.

Es mögen vielleicht einige denken, wenn man Gott um Hilfe ruft, dann wird ihm geholfen. Und dann wird alles so, wie ich es für mein Leben brauche. Das steht nicht in der Geschichte. Es braucht Geduld, manchmal auch die Einsicht, dass wir unseren Willen nicht so erfüllt bekommen, wie wir das gern hätten. Aber es kann eine erstaunliche Kraft aufkeimen, die ganz neue, unerwartete Wege weist. Daraus kann eine Sicherheit entspringen, die immer wieder neue Zuversicht aufkeimen lässt.

Was gibt es für eine Alternative zum Glauben, war die am Anfang gestellte Frage. Vielleicht ist es doch besser zu fragen, was hält uns davon ab, zu glauben? Zu guter Letzt entspringt aus Glauben immer wieder Vertrauen und Zuversicht und die Überwindung des Zweifelns an dem was ich tue und wie ich es tue.

Ich wünsche uns allen für das Jahr 2020, dass neben unserem Unglaube und Zweifel der Glaube stehen kann und wenn uns das Gefühl der Verlassenheit niederdrückt, Vertrauen in uns wächst und das Gespür, dass jemand an unserer Seite steht und uns hält.

Ihre Gemeindepädagogin

Kerstin Wrana

(15.01.2020)

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