Herzlich Willkommen

im Ev.- Luth. Kirchspiel Kreischa-Seifersdorf!
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Unser Kirchspiel liegt südlich vor den Toren der Stadt Dresden. Zum Kirchspiel gehören seit 2007 die Gemeinden Kreischa, Oelsa, Possendorf, Rabenau und Seifersdorf. Alle Gemeinden zusammen zählen etwas mehr als 3.200 Gemeindeglieder. Damit sind wir nach Freiberg die größte Gemeinde in unserem Kirchenbezirk.
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Ihre Pfarrerin Annette Kalettka


Tragfähig

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ein Kollege berichtete unlängst von der Abiturfeier einer christlichen Schule. Der Religionskurs bereitete dazu ein Art Predigt vor, die das Glaubensbekenntnis der jungen Leute zum Inhalt hatte. Es bestand aus drei Artikeln: ich glaube an MICH, ich glaube an DICH (den Mitmenschen), wir (als Gruppe) glauben an UNS. Dass ein Religionskurs an einer christlichen Schule etwas Derartiges formulieren konnte, ohne jeglichen Gottesbezug, machte meinen Kollegen fassungslos. Mir gab es eine Menge zu denken.
Zunächst ist es ja nicht verkehrt, wenn junge Leute mit einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen sich auf ihre Lebensreise machen. Zwar muss man davon ausgehen, dass eben dieses Selbstvertrauen bald die ersten Blessuren erhalten wird; aber es hat noch niemand darlegen können, dass Unsicherheit und Schüchternheit das bessere Rezept sind. Sich für das Maß aller Dinge zu halten, ist bei jungen Menschen keine Seltenheit, das braucht einen nicht fassungslos zu machen.
Mein zweiter Gedanke war: offenbar ist diesen jungen Menschen in ihrem Leben noch nichts Schwerwiegendes widerfahren, nichts, was ihr Selbstbewusstsein oder ihre drei Glaubensartikel auf eine ernste Probe gestellt hätte. Da haben andere in diesem Alter schon anderes erlebt, aber das ist nicht ihr Verdienst, und glücklich sind sie darüber auch nicht unbedingt. Für jene Jugendlichen liegt das offenbar jenseits ihrer Vorstellungskraft, sonst hätten sie in ihrem Glaubensbekenntnis für diesen Fall vielleicht vorgesorgt. Darum kann man sie fast beneiden.
Oder muss man sie eher bedauern um ihren bloßen Schönwetter-Glauben, der absehbarerweise die ersten Stürme des Lebens nicht überstehen wird? Muss man sich nicht besorgt fragen, woran sie wohl dann glauben werden? Wie wird es ihnen ergehen, wenn sie nicht zu den Siegern gehören, obwohl sie an sich geglaubt haben? Worauf werden sie vertrauen, wenn sie merken, dass das DU nicht nur ein sympathischer Mitmensch oder gar ein Partner sein kann, sondern ein Konkurrent um knappe Ressourcen, einer, dessen Interessen den meinen überhaupt nicht entsprechen, der seine Ziele auf meine Kosten zu erreichen sucht? Wie werden sie sich verhalten, wenn das WIR eben nur eine Teilgruppe ist, die sich gegen die ANDEREN nicht durchsetzen kann?
Nein, fassungslos macht mich ihr Glaubensbekenntnis nicht, aber ich habe auch kein großes Zutrauen, dass sich das Fundament ihres Lebens (und darum geht es ja in einem Glaubensbekenntnis) im Zweifelsfall als ausreichen und verlässlich erweisen würde. Oder – um es in einem Bild auszudrücken: als tragfähig.
Wer etwas baut, eine Brücke zum Beispiel, muss sich über ihre Tragfähigkeit Gedanken machen. Er kann nicht einfach darauf hoffen, dass schon nicht zwei LKW gleichzeitig darüber fahren werden und dass dabei kein Wind geht. Nun kann man das bei einer Brücke im Voraus berechnen. Im Leben ist das natürlich anders. Und ja: es gibt Menschen, die werden zeitlebens keiner wirklichen Belastung ausgesetzt. Aber ob es klug ist, darauf zu hoffen? Oder ob es nicht klüger wäre, sich um einen tragfähigen Glauben zu bemühen?
Auch wenn man natürlich niemals im Voraus weiß, welche Wendungen das Leben nimmt, ein paar Regeln dazu kann man dennoch beherzigen. Um dabei im Bild der Brücke zu bleiben:

  1. Eine Brücke muss gebaut werden, bevor sie gebraucht wird. Wenn man plötzlich vor einem Abgrund steht, hilft es wenig, sich dann eine Brücke zu wünschen.
  2. Bei einer Brücke sind Tragfähigkeit, Stabilität und Funktionalität wichtiger als architektonische Schönheit oder Individualität. Es muss nicht unverwechselbar „meine Brücke“ sein.
  3. Es ist keine Schande, dabei auf Erfahrungen derer zurückzugreifen, die schon früher Brücken gebaut haben. Man muss nicht unbedingt eigene Fehler machen, braucht aber auch die der anderen nicht allesamt zu wiederholen.
  4. Der Lebensweg besteht natürlich nicht nur aus Brücken, und es muss auch nicht immer von ihnen die Rede sein. Aber sie müssen vorhanden und gut in Schuss sein.
  5. Und schließlich: die schönste Tragfähigkeit nützt nichts, wenn die Brücke nicht beschritten wird. Selbst zu laufen – das nimmt mir keiner ab. Und das kann und soll ich ja tun: mit allem Selbstvertrauen und dem Vertrauen in meine Mitmenschen und meine Gruppe.

Den Absolventen jener Schule wird niemand wünschen, dass ihre Brücken unter Belastung einstürzen. Eher ist zu hoffen, dass sie rechtzeitig Gelegenheit finden werden, sie tragfähig auszubauen – und dass sie dabei auf das zurückgreifen können, was sie im Religionskurs schon einmal gehört haben.

Ihr Pfarrer Dr. Beyer

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